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Toho

Bedeutung

Chaos, etwas, das im Fluss ist und noch nicht seine Form angenommen hat (z. B. Lava)

Das Chaos, im Sinne von Materie (ma), die noch nicht ihre Bestimmung gefunden hat oder noch keinen Vermittler fand, ist eines der grossen Abenteuer in der Nienetwiler Kultur. Wo die einen eine reformatorische Aufgeräumtheit bevorzugen, wird in der Nienetwiler Kultur die inspirierende Kraft des Chaos geradezu verehrt. Nicht dass nicht eine gewisse Ordnung bei den Werkzeugen Platz hätte, aber zu ordentlich darf es nicht sein. Wie viele neue Techniken konnten entdeckt werden, weil der eigentlich gesuchte Stechbeitel nicht gefunden werden konnte und stattdessen ein anderes Werkzeug genutzt wurde? Der Nierentisch, sicherlich keine Design-Glanzleistung, war nichts anderes als der Abschnitt des eigentlich verwendeten Sperrholzrandes, der als Randabdeckung für ein kleines Balkon-Gemüsebeet Verwendung gefunden hatte. Das gerundete Brett stand einfach im Durcheinander all des Holzes in Horgis Werkstatt herum. Drei Beine eingezapft, türkis gestrichen: Fertig!

Auch das Chaos der Gedanken wird als inspirierend – und nicht wie im modernen Westen heute üblich als ermüdend oder auslaugend – betrachtet. Es dient der Meditation auf be, die Möglichkeiten.

Trivia

Es war der grosse und bekannte Denker und Handwerker Erza, einen Lederer und Sattler, wie es vor ihm nur wenige gab, der, als er vor seine das Handwerk von ihm Erlernenden trat und seinen Werktisch betrachtete, folgende Worte sprach:

So.emune.den.skandi:elet.den.mabe.hen.ma;ul.zima;eta.eskandi.od.den.he.toho:

(So.emune.den.skandi:elet.den.mabe.hen.ma;ul.zima;eta.eskandi.od.den.he.toho:)

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Immanuel Kant seinen Vater, selber ebenfalls Sattler und aus einer alten lettischen Familie stammend, diesen auf einer Reise an das Kurische Haff nach Labiau (heute Polessk) begleitete, um bei Erza Kapat einen ganz besonderen Lederschnitt zu erlernen. Der grosse bärtige Sattler mit seinem fremdländischen Aussehen muss ihn beeindruckt haben und ebenso seine Sprache, die, wenn er sie ab und zu sprach, von seinem Gehilfen für die Anwesenden übersetzt wurde. Manuel war erst zwölf Jahre alt und es dürften wohl auch die rätselhaften und zutiefst philosophischen Erklärungen Erzas zu den Handgriffen und dem Handwerk an und für sich gewesen sein, seine Sprache, die ihm in Königsberg auf den Märkten ab und zu begegnet war und die er nicht einzuordnen wusste, und Erzas Erscheinung, dass er sich mit den Sprachen und der Philosophie beschäftigen wollte. In seiner Vorrede der Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels, die er 1755 verfasste, flocht er jedenfalls diesen Satz geschickt ein, als wäre es eine Floskel, und doch birgt sie so viel von Erzas Weisheit. Er schrieb: «Nunmehro mache ich getrost die Anwendung auf mein gegenwärtiges Unterfangen. Ich nehme die Materie aller Welt in einer allgemeinen Zerstreuung an und mache aus derselben ein vollkommenes Chaos.»


Tonbeispiel

soundfile CC by Museum Nienetwil, 2020


Verzeichnisnummer

AL0165


Herkunft

Ur-Alaju. Wortstamm *h- = Leere, und *to- = ohne Bestimmung


Ch'apis

toho


Quelle

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